Wenn Autofahrer Fahrrad fahren

Jeder Radfahrer kennt das. Kaum hast Du in einer Runde erwähnt, dass Du ausschließlich Fahrrad fährst kommen sie – die Kommentare über die unmöglichen Radfahrer, die alle bei rot über die Ampel fahren. Ehrlich gesagt, ich kann das nicht mehr hören. Ich finde es aber immer wieder schön zu beobachten, wenn ich Freunde (Auto fahrende Freunde) dazu bringe mein Zweitrad zu nutzen. Es dauert keine 5 Minuten und genau diese Menschen, die gerade noch über die Rüpelradler gemeckert haben, fahren über eine rote Ampel, schneiden Fußgänger oder schimpfen über Autofahrer.

Die logische Schlussfolgerung für mich aus dieser Erkenntnis. Ich würde einfach gerne mal alle Menschen, die so schlecht über die Radfahrer schreiben und sprechen aufs Fahrrad bewegen. Da können sie alle mal ihre eigenen Erfahrungen im Straßenverkehr als Radfahrer*in machen.

Im Sommer 2015 hatte ich mir sogar die Mühe gemacht einen Journalisten, der gerade mal wieder über die „bösen und rücksichtslosen Radfahrer“ in der Mainzer AZ geschrieben hatte, zu einer Fahrradtour durch Mainz einzuladen. Herr Mario Thurnes von der AZ hat die Einladung angenommen und hat sich für dieses Ereignis sogar ein Fahrrad gekauft. Carlo Müller von „Fahr Rad in Mainz“ habe ich auch dazu geladen. Wir haben Herrn Thurnes Verkehrsführungen für Radfahrer in Mainz gezeigt, wo es für uns Radler einfach schlecht geregelt ist und man sich der Gefahren durch Autofahrer ausgesetzt fühlt. Radwege, die hinter parkenden Autos lang geführt werden, auf denen die Gefahr von rechtsabbiegenden Autos übersehen zu werden sehr groß ist. Radwege, die in einem so schlechten Zustand sind, wie z.B. in der Hindenburgstraße. Dort wurde die Radwegenutzungspflicht schon vor langer Zeit aufgehoben. Hier wird man als Radfahrerin aber immer noch von anderen Verkehrsteilnehmern durch Hupsignale freundlich darauf hingewiesen den Radweg zu nutzen. Der Artikel, der dabei herauskam war schon sehr viel radfreundlicher und wir hatten tatsächlich für einen Moment das Gefühl, es könnte sich etwas an der Sichtweise der Autofahrer auf uns Radfahrer ändern. Doch der nächste Artikel der AZ zu diesem Thema hat unsere Hoffnung ganz schnell im Keim erstickt.

Wen müsste man jetzt in Mainz auf das Fahrrad bewegen, damit sich etwas an der Verkehrssituation für Radfaher*innen In Mainz ändern würde?

Da fällt mir hier in Mainz nur einer ein – unseren Oberbürgermeister Herr Michael Ebling. Auf einem Fahrrad würde Herr Ebling bestimmt sehr schnell feststellen, wie verzwickt es manchmal ist sich mit dem Rad durch Mainz zu schlingeln. Radwege, die im Nichts enden. Radwege, die viel zu schmal sind. Vielleicht würde er dann auch verstehen, warum wir Radfahrer gerne eine Fahrbahn für Radfahrer auf der Kaiserstraße hätten. Denn im Zuge der Sanierung der Kaiserstraße wäre dies eine Option gewesen (die Planungen sind leider abgeschlossen). Die Kaiserstraße bleibt dreispurig.

Ich gebe die Hoffnung Herrn Ebling auf ein Fahrrad zu bewegen nicht auf. Es wäre so wichtig für unsere Stadt den Radverkehr mehr zu fördern. Zumal es die Zahlen bei einem Radverkehrsanteil  von 20 % zum motorisierten Individualverkehr (MIV) von 32 % ganz klar hergeben.


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