Sinn oder Unsinn? Von der Pflicht den Radweg zu benutzen

Wobei hier von „Sinn“ nicht die Rede sein kann. Woher kommt das eigentlich… RADWEGEBENUTZUNGSPFLICHT? Es ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als man Radfahrer, die im Schnitt 10 km/h gefahren sind, von der Straße fern halten wollte. „Etwas“ veraltet, wo wir uns doch jetzt schon im Jahr 2017 befinden und wir Radfahrer*innen viel schneller unterwegs sind als noch vor 30 Jahren. Die Stadt Mainz schreibt dazu: „Die Landeshauptstadt Mainz hat sich zur Aufgabe gemacht alle Radwege nach und nach im Hinblick auf die Radwegbenutzungspflicht hin zu überprüfen.“ (Radwege und Benutzungspflicht) 1998 wurde festgelegt, dass Radwege nur genutzt werden müssen, wenn sie mit einem blauen Schild gekennzeichnet sind. Tatsächlich gibt es sogar einen Bußgeldkatalog bei Missachtung der Radwegebenutzungspflicht.

In Mainz gibt es einige Straßen für die die Nutzungspflicht aufgehoben wurde (Hindenburgstraße, Boppstraße, Hans-Böckler-Straße, Göttelmannstraße um nur ein paar zu nennen).

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Weißliliengasse Mainz, Benutzungspflicht für Radfahrer wurde aufgehoben

Da die Aufhebung der Nutzungspflicht aber nicht für alle Verkehrsteilnehmer einfach zu erkennen ist (Erklärung findet Ihr im Link zu Radwege und Benutzungspflicht), ist es für uns Radfahrer immer noch schwer „einfach mal so“ auf der Straße zu fahren, auch wenn dort die Radwegebenutzungspflicht bereits aufgehoben wurde. Ein wirklich gutes Beispiel ist die Fahrrad-Piktogrammkette in der Göttelmannstraße. Dafür hat Mainz sogar einen Preis bekommen. Hier ist es für uns Radfahrer*innen wirklich schön auf der Straße zu fahren. Diese Piktogramme machen den Autofahrern deutlich, hier dürfen Radfahrer*innen auf der Straße fahren und müssen nicht den maroden Radweg nutzen. Wenn ich dort lang radle sehe ich ausschließlich Radfahrer*innen auf der Straße fahren. In der Hindenburgstraße in der Mainzer Neustadt wurde die Benutzungspflicht vor Jahren aufgehoben. In dieser Straße gibt es allerdings keine Fahrrad-Piktogrammkette und leider sehe ich hier immer noch viele Radler*innen auf dem schlechten Radweg fahren. Aufklärung tut hier not. Ich würde mir wünschen, dass diese Fahrrad-Piktogrammkette auf allen für den Radverkehr nicht benutzungspflichtigen Straßen Standard wird. So könnte mit ganz einfachen Mitteln allen Verkehrsteilnehmern*innen deutlich gemacht werden, wo Radfahrer*innen auf der Straße fahren dürfen. Die Diskussionen mit Autofahrer*innen sind einfach nur anstrengend und nervend. Dieses Gehupe, wenn ich mal wieder auf der Straße fahre, weil die Benutzungspflicht für die Autofahrer nicht ersichtlich aufgehoben wurde, weil der Radweg zugeparkt ist oder gerade eine Baustelle und Bushaltestelle auf dem Radweg sind, macht keinen Spaß. Ich will doch einfach nur fahren.

Und wie ich es schon einmal erwähnt haben, bin auch nicht in suicidaler Absicht mit dem Rad unterwegs. Oftmals sind die Radwege hinter parkenden Autos (die immer größer werden – SuperUselessVehicle) und die rechtsabbiegende Autofahrer*innen können uns nicht sehen. Die größte Unfallgefahr überhaupt! Dabei würde ich im fließenden Verkehr auf der Straße gut gesehen werden. Also machen Radwege in der heutigen Zeit überhaupt noch Sinn? Eigentlich besteht der „Sinn“ eines Radweges doch nur darin, den MIV (Motorisierten Individualverkehr) nicht zu behindern. Aber behindere ich diesen Verkehr überhaupt, wenn ich im Schnitt mit 20 km/h in der Stadt unterwegs bin? Autofahrer sind im Schnitt in deutschen Städten auch nicht schneller unterwegs. Wäre es da nicht sinnvoll im innerstädtischen Bereich auf allen Straßen die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu reduzieren, die Ampelschaltungen anzugleichen und dann die Radfahrer auf die Straße zu holen. Das wäre für mich die einfachste Lösung für alle Probleme hier in Mainz. Natürlich kann man jetzt wieder diskutieren, ob optimal ausgebaute Radwege, die gut sichtbar von Fußgängern und Autofahrern getrennt sind, nicht die bessere Lösung wären. Aber in einer Stadt wie Mainz ist das räumlich gesehen schwierig. Die Straßen sind für separate Wege viel zu eng, Parkplätze müssten wegfallen um Raum zu schaffen. Die damit verbundenen Streitereien sind bestimmt nicht förderlich für ein gutes Miteinander im Straßenverkehr. Nimm einem Autofahrer*in den Platz in der Stadt und das Geheule ist groß und am Ende stürzen sie alle noch in eine Depression. Das kann ich natürlich nicht verantworten.

Ich fühle mich auf der Straße sicherer und würde mich freuen, wenn das bald auf allen Straßen in Mainz möglich ist, ohne ständig Konflikte mit Autofahrer*innen auszufechten. Das ist auf die Dauer doch sehr ermüdend. Vielleicht nutzen die Meckerer*innen mal selbst den Radweg mit dem Fahrrad. Dann wird das Gemecker sehr schnell verstummen! Da bin ich mir ganz sicher!!!!!


Ein Gedanke zu “Sinn oder Unsinn? Von der Pflicht den Radweg zu benutzen

  1. VwV-StVO (Verwaltungsvorschrift zur StVO) zu § 2 zu Absatz 4 Satz 2 (Straßenbenutzung durch Fahrräder):
    „Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen. Sie dürfen nur dort angeordnet werden, wo es die Verkehrssicherheit oder der Verkehrsablauf erfordern.“

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